Im September kommt der Pullover aus dem Schrankfach zurück, und bis Oktober trägt er die halbe Garderobe. Kein anderes Teil wird in diesen Wochen so oft angezogen, und bei keinem ist die Auswahl so groß: Rundhals, Troyer, Rollkragen, Polopullover und Strickjacke, jeweils fein oder grob, glatt oder mit Zopfmuster.
Diese Auswahl lässt sich mit einer einzigen Regel ordnen. Wer sie kennt, greift morgens zum richtigen Pullover, statt vor dem Schrank zu raten.
Die Regel hinter jedem Pullover
Der Ausschnitt entscheidet, was darunter passt. Die Strickstärke entscheidet, was darüber passt.
Unter einen Rundhalsausschnitt passt ein T-Shirt oder ein Hemd, ein V-Ausschnitt lässt Kragen und Knopfleiste des Hemdes sehen, und ein Rollkragen braucht darunter gar nichts. Ein feiner Strick passt unter ein Sakko und unter einen schmalen Mantel. Ein grober Strick ist dagegen selbst die äußere Schicht und verträgt höchstens noch einen weit geschnittenen Mantel.
Mit diesen zwei Fragen ist fast jede Kombination geklärt: Was zeigt der Ausschnitt, und was kommt noch darüber? Die fünf Strickteile in diesem Guide beantworten sie jeweils anders.
Der Rundhalspullover: das Grundteil
Der Strickpullover mit Rundhalsausschnitt ist das Teil, mit dem jede Strickgarderobe anfangen sollte, weil er zu fast allem passt: zur Jeans, zur Chino, zur Stoffhose und unter ein Sakko.
Die feine, glatte Variante ist die vielseitigste. Sie trägt sich über einem T-Shirt ebenso wie über einem Hemd, und sie liegt unter einem Sakko so flach, dass an den Schultern nichts spannt. Der Rippstrick sitzt enger am Körper, wirkt sportlicher und ist eher ein Pullover zur Jeans als zur Anzughose.
Mit einem T-Shirt darunter gilt eine Regel: Das T-Shirt darf am Saum nicht hervorschauen. Mit einem Hemd darunter ist es umgekehrt: Der Hemdkragen kommt sauber aus dem Ausschnitt, und die Manschetten schauen einen Fingerbreit unter dem Ärmel hervor. Die Modelle stehen in den Oberteilen.
Der Troyer: der Pullover mit Reißverschluss am Kragen
Ein Troyer ist ein Pullover mit Stehkragen und kurzem Reißverschluss oder kurzer Knopfleiste am Hals, im Handel oft als Half-Zip oder Quarter-Zip bezeichnet. Für den Herbst ist er der praktischste Pullover überhaupt, weil sich die Temperatur mit einem Handgriff regeln lässt: Reißverschluss zu auf dem Bahnsteig, halb offen im geheizten Büro.
Der Troyer für Herren lässt sich auf drei Arten tragen. Über einem T-Shirt und mit halb geöffnetem Reißverschluss ist er das Wochenendoutfit zur Jeans. Über einem Polo oder einem Hemd, mit dem Hemdkragen im geöffneten Stehkragen, wird er zum Büroteil zur Chino. Und unter einem Mantel ersetzt der Stehkragen den Schal, solange es noch nicht richtig kalt ist.
Bei der Wahl hilft ein Blick auf den Kragen: Ein fester, hoher Stehkragen bleibt auch offen in Form und wirkt deshalb ordentlicher als ein weicher, der beim Öffnen umklappt. Beim Troyer ist die Auswahl an Farben und Strickarten am größten, und auch diese Modelle stehen in den Oberteilen.
Der Rollkragenpullover für Herren: statt Hemd und Krawatte
Der Rollkragenpullover erzielt mit dem geringsten Aufwand die meiste Wirkung. Ein schmaler, feiner Rollkragen unter einem Sakko oder einem Mantel sieht so aufgeräumt aus wie Hemd und Krawatte, ist aber bequemer und wärmer.
Entscheidend ist die Passform. Slim Fit und Feinstrick gehören unter das Sakko, wobei der Kragen einmal umgeschlagen wird und knapp unter dem Kinn endet. Grobe und locker geschnittene Rollkragenpullover sind dagegen Solisten: Sie tragen sich allein zur Jeans oder zur Cordhose und brauchen höchstens eine offene Jacke darüber.
Wem der Rollkragen am Hals zu eng ist, der nimmt einen Pullover mit Stehkragen. Er reicht nur bis zur halben Halshöhe und hat unter dem Mantel denselben Effekt. Die klassische Farbe ist Schwarz, weil sie zu grauen und marineblauen Sakkos und Mänteln immer passt. Weiß und Beige wirken im Herbst frischer, verlangen aber eine dunkle Hose. Alle Varianten stehen in den Oberteilen.
Der Polopullover: der Kragen ohne Hemd
Der Polopullover ist ein langärmeliger Strickpullover mit Polokragen und kurzer Knopfleiste. Er löst ein Problem, das viele Männer im Herbst kennen: An manchen Tagen wirkt ein Hemd zu förmlich und ein Pullover allein zu leger.
Der Kragen gibt ihm die Haltung eines Hemdes, der Strick die Bequemlichkeit eines Pullovers. Unter einem Sakko wirkt ein Polopullover deshalb wie ein Hemd. Zu Stoffhose und Loafer ergibt er ein vollständiges Büro-Outfit. Eine Krawatte gehört nicht dazu, und der oberste Knopf bleibt offen.
Wer es sportlicher mag, nimmt die Variante mit Reißverschluss am Polokragen. Sie liegt zwischen Polopullover und Troyer und passt am besten zur Chino.
Die Strickjacke für Herren: mit Knöpfen oder mit Reißverschluss
Die Strickjacke, auch Cardigan genannt, ist das am meisten unterschätzte Strickteil. Sie ist Pullover und Jacke zugleich, und im September und Oktober ersetzt sie an vielen Tagen beides.
Die Strickjacke mit Knopfleiste ist die klassische Form. Mit V-Ausschnitt über einem Hemd getragen, übernimmt sie die Rolle eines weichen Sakkos. Offen über einem T-Shirt wird sie zur leichten Jacke. Der unterste Knopf bleibt offen, wie beim Sakko.
Die Strickjacke mit Reißverschluss ist sportlicher und hat oft einen Stehkragen. Sie trägt sich wie eine leichte Jacke über einem T-Shirt oder einem Langarmshirt und passt zu Jeans und Chino gleichermaßen.
Die dritte Variante ist die grobe Strickjacke, oft mit Zopfmuster, aufgesetzten Taschen oder Gürtel. Sie ist warm genug, um an milden Herbsttagen die Jacke zu ersetzen, und verlangt darunter eine schlanke Silhouette: ein dünnes Shirt und eine schmale Hose. Die meisten Strickjacken stehen bei Jacken & Mantel, die feinen Modelle mit V-Ausschnitt in den Oberteilen.
Pullover über Hemd und der Pullunder
Der Pullover über dem Hemd ist die Kombination, die im Herbst am häufigsten schiefgeht, und meistens liegt es an den Kanten. Kragen und Manschetten des Hemdes müssen sichtbar sein, der Saum des Hemdes dagegen nicht. Ein Hemd, das unter dem Pullover heraushängt, wirkt vergessen und nicht lässig.
Am einfachsten gelingt die Kombination mit einem V-Ausschnitt, weil er den Hemdkragen von selbst freilegt. Beim Rundhalsausschnitt wird der Kragen herausgezogen und flach auf den Strick gelegt. Unter einen Rollkragenpullover gehört dagegen kein Hemd.
Der Pullunder, also der ärmellose Strickpullover mit V-Ausschnitt, ist die Variante für alle, denen ein Pullover über dem Hemd zu warm ist. Er trägt sich über dem Hemd zur Chino oder, etwas förmlicher, unter einem Sakko, wo er an die Weste eines Dreiteilers erinnert. Hemden und passende Pullover für diesen Look stehen in der Kollektion Business Casual.
Zopfmuster, Rippstrick, Streifen: was die Struktur verrät
Neben Ausschnitt und Strickstärke bestimmt die Oberfläche, wie förmlich ein Pullover wirkt. Je glatter der Strick ist, desto eher passt er ins Büro. Je mehr Struktur er hat, desto mehr gehört er in die Freizeit.
Glatter Feinstrick ist die förmlichste Stufe und passt unter jedes Sakko. Rippstrick wirkt sportlich und betont die Figur. Zopfmuster ist warm und traditionell, ein Pullover für Wochenende, Spaziergang und Kaminabend. Streifen und Ellbogen-Patches sind die legerste Stufe und machen aus einem Pullover ein Statement.
Die Faustregel für ein Outfit lautet: ein strukturiertes Teil, der Rest glatt. Ein Pullover mit Zopfmuster zur glatten Chino wirkt durchdacht, derselbe Pullover zur Cordhose und zum karierten Hemd wird schnell zu viel.
Farben: drei Töne für den ganzen Herbst
Wer Pullover nach Farben kauft, braucht weniger davon. Drei Töne decken den ganzen Herbst ab: Grau, weil es zu jeder Hose passt, Marineblau, weil es ruhiger wirkt als Schwarz und zu Beige und Grau gleich gut aussieht, und ein Erdton wie Beige, Braun oder Khaki, der das Outfit wärmer macht.
Schwarz ist die Ausnahme, die sich lohnt, und zwar beim Rollkragen. Weiß und Creme sind im Herbst die Farben für den Kontrast zur dunklen Hose. Und ein Pullover in Weinrot oder Dunkelgrün ist der eine Farbakzent, der einem grauen oder braunen Outfit Leben gibt.
Passform, Pflege und die häufigsten Fehler
Die Schulternaht sitzt auf der Schulter. Hängt sie tiefer, wirkt der Pullover eine Nummer zu groß, es sei denn, er ist bewusst oversized geschnitten. Die Ärmel enden am Handgelenk, der Saum auf Höhe des Gürtels.
Der Pullover ist zu lang für das Sakko. Schaut der Strick unten unter dem Sakko hervor, wirkt das Outfit unruhig. Unter ein Sakko gehört ein Pullover, der am Gürtel endet.
Grober Strick unter einem schmalen Mantel. Der Mantel spannt, und der Pullover wirft an den Armen Falten. Grober Strick braucht einen weiten Mantel oder gar keinen.
Der Pullover hängt auf dem Bügel. Strick verzieht sich auf dem Bügel und bekommt Beulen an den Schultern. Pullover und Strickjacken werden deshalb gefaltet und nach dem Waschen liegend getrocknet.
Wer bei null anfängt, kauft in dieser Reihenfolge: einen feinen Rundhalspullover in Grau, einen Troyer in Marineblau und eine Strickjacke mit Knöpfen in einem Erdton. Diese drei decken Büro, Wochenende und Abend ab. Der schwarze Rollkragenpullover kommt als vierter dazu, sobald es kälter wird. Die ganze Auswahl steht in den Oberteilen.

