Das Poloshirt hat einen schlechteren Ruf, als es verdient, und zwar aus einem konkreten Grund: Die meisten Männer besitzen genau ein Polo, es ist aus dünnem Jersey, der Kragen liegt seit dem dritten Waschgang flach auf dem Schlüsselbein, und es sieht entsprechend aus.
Das ist kein Urteil über das Kleidungsstück. Es ist ein Urteil über ein einzelnes, schlecht gewähltes Exemplar. Denn das Polo ist keine Kleidungsart, sondern eine Familie, und die Unterschiede innerhalb dieser Familie sind größer als der Unterschied zwischen einem T-Shirt und einem Hemd.
Drei Stoffe, drei völlig verschiedene Kleidungsstücke
Piqué ist das klassische Polo-Gewebe. Die Bindung erzeugt eine wabenartige Struktur, die drei Dinge gleichzeitig leistet: Sie hält den Kragen aufrecht, weil das Material Eigenstand hat; sie kaschiert Schweiß, weil die unebene Oberfläche das Licht bricht; und sie hält Abstand zur Haut, weil die Struktur Luft einschließt. Das Polo-Shirt mit Kragen und Knopfleiste ist diese Grundform.
Jersey ist glatt und dünn. Es liegt näher an der Haut, zeigt jede Kontur und verliert schneller die Kragenform. Für heiße Tage angenehm, für alles, wo Sie ordentlich aussehen wollen, die schwächere Wahl.
Feinstrick ist die eleganteste Variante und die, die die meisten Männer nicht auf dem Schirm haben. Ein gestricktes Polo hat einen weicheren Fall, einen Kragen, der von selbst steht, und es liest sich deutlich näher am Hemd als am T-Shirt. Das Feinstrick-Polo mit Kragen funktioniert unter einem Leinenblazer so gut wie ein Hemd, und ist an einem 30-Grad-Tag deutlich erträglicher. Das gestrickte Kurzarm-Polo ist die schwerere, strukturiertere Ausführung davon.
Vier Regeln für die Passform
Erstens: Der Kragen muss stehen. Legen Sie das Polo hin und stellen Sie den Kragen auf. Fällt er sofort in sich zusammen, ist der Stoff zu weich oder der Kragen zu wenig verstärkt, und daran ändert sich nichts mehr. Ein stehender Kragen ist der einzige Unterschied zwischen einem Polo und einem T-Shirt mit Knöpfen.
Zweitens: Der Ärmel endet in der Mitte des Bizeps. Nicht am Ellenbogen, wo er zum T-Shirt wird, und nicht kurz unter der Schulter, wo er zum Sportartikel wird. Und er sollte am Arm anliegen, ohne einzuschnüren, denn ein flatternder Ärmel lässt jeden Arm dünner wirken, als er ist.
Drittens: Der Saum endet etwa auf halber Höhe des Hosenschlitzes. Ein Polo ist als Kleidungsstück zum Heraustragen konstruiert. Ist es so lang, dass es in die Hose gesteckt werden müsste, damit es nicht albern aussieht, ist es das falsche Polo.
Viertens: Die Schulternaht liegt auf dem Schulterknochen. Das ist die Regel, die am meisten über die gesamte Passform aussagt und am seltensten geprüft wird. Rutscht die Naht auf den Oberarm, ist das Polo zu groß, egal, was das Etikett behauptet.
Das Langarm-Polo ist unterschätzt
Es gibt ein Vorurteil, ein Polo sei per Definition ein Sommerteil mit kurzen Ärmeln. Das stimmt historisch nicht und praktisch erst recht nicht.
Das Langarm-Poloshirt mit Kragen und Knopfleiste löst ein Problem, das im späten August täglich auftritt: 26 Grad am Nachmittag, 15 am Abend. Ein Langarm-Polo ist wärmer als ein Kurzarm-Polo und kühler als ein Hemd mit Pullover darüber, und es ist das einzige Teil, das beide Temperaturen ohne Schichtwechsel abdeckt. Das Langarm-Polo in normaler Passform ist die etwas großzügiger geschnittene Variante.
Dazu kommt der Ärmel als Werkzeug: Zweimal umgeschlagen bis unter den Ellenbogen ergibt sich ein Dreiviertelärmel, der ordentlicher wirkt als jedes Kurzarmteil.
Der Viertelreißverschluss
Die halbgeöffnete Variante des Polos ist streng genommen kein Polo mehr, gehört aber zur selben Familie und löst dieselbe Aufgabe eine Stufe wärmer. Das Langarm-Poloshirt mit Viertelreißverschluss ist das Teil für den Übergang. Der gestreifte Quarter-Zip-Pullover und der Polo-Pullover mit Zopfmuster sind die schwereren Ausführungen, die ab September übernehmen.
Ein Detail zum Reißverschluss: Er ist halb geöffnet oder ganz geschlossen. Zu einem Viertel geöffnet sieht er nach Unentschlossenheit aus.
Womit man es trägt
Zur Chino. Die naheliegendste und beste Kombination. Die knöchellange Chino mit einem Feinstrick-Polo und Wildleder-Loafern ist ein vollständiges Outfit für nahezu jeden Anlass zwischen Mittagessen und Abendessen.
Zur Leinenhose. Die Leinenhose mit Kordelzug verlangt oben etwas mit Struktur, sonst fehlt dem Outfit jede Kante. Ein Piqué-Polo liefert genau das. Ein Jersey-Polo nicht.
Zu Shorts. Hier gilt eine einzige Regel: Wenn die Beine kurz sind, muss oben ein Kragen sein. Ein Polo zu Cargo-Shorts ist erwachsen. Ein T-Shirt zu denselben Shorts ist Freizeitkleidung.
Zu Sneakern oder Loafern. Ledersneaker halten das Outfit am Tag, Loafer heben dasselbe Outfit am Abend um eine halbe Stufe. Das ist derselbe Mechanismus, der aus neun Kleidungsstücken zwölf Kombinationen macht.
Rein oder raus?
Zum Schluss die Frage, die am häufigsten gestellt wird. Die Antwort hängt am Saum, nicht am Anlass: Ein Polo mit geradem Saum bleibt draußen. Ein Polo mit Seitenschlitzen und leicht längerem Rückenteil ist zum Hineinstecken konstruiert und darf hinein.
Wer sich unsicher ist, lässt es draußen. Ein herausgetragenes Polo mit korrekter Länge sieht nie falsch aus. Ein hineingestecktes mit falscher Länge dagegen schon.
