Der Fehler beim Packen ist fast immer derselbe. Man packt für die Tage, statt für die Kombinationen. Sieben Tage, also sieben Oberteile — und am Ende liegen drei davon ungetragen wieder im Koffer, während dasselbe Hemd zum dritten Mal am Abend herhalten muss.
Eine Reisegarderobe funktioniert anders. Sie besteht nicht aus Outfits, sondern aus Teilen, die sich gegenseitig vertragen. Neun Teile ergeben, richtig gewählt, zwölf brauchbare Kombinationen. Und sie passen in ein Handgepäckstück.
Die Regel, die alles andere entscheidet
Legen Sie eine Farbfamilie fest, bevor Sie den ersten Teil einpacken. Sand, Beige, Off-White, Khaki, Braun und Marine funktionieren untereinander in nahezu jeder Kombination. Wenn jedes Oberteil zu jeder Hose passt, brauchen Sie rechnerisch weniger als die Hälfte.
Ein einziges Teil darf aus der Reihe tanzen — ein gemustertes Hemd, ein kräftiger Ton. Zwei sind bereits zu viel, weil sie sich gegenseitig blockieren und beide je eine eigene Hose verlangen.
Die neun Teile
Zwei Hosen. Eine Leinenhose für die Hitze und den Tag, eine Chino für alles, was einen Kragen verlangt. Die Leinenhose mit Kordelzug und elastischem Bund hat den praktischen Vorteil, den man erst im Flugzeug zu schätzen weiß: keinen starren Bund nach vier Stunden Sitzen. Dazu die knöchellange Chino, die abends mit Loafern getragen ohne Weiteres in ein gutes Restaurant passt.
Ein Leinenhemd, langarm. Das Leinenhemd mit Knopfleiste ist das flexibelste Teil im Koffer. Offen über einem T-Shirt am Tag, geschlossen und in die Hose gesteckt am Abend, hochgekrempelt auf dem Boot, und im Notfall als Sonnenschutz auf den Schultern. Langarm ist dabei kein Nachteil in der Hitze — ein weit geschnittener Leinenärmel hält die Sonne von der Haut, ohne zu wärmen.
Ein Polohemd. Das Polo-Shirt mit Kragen und Knopfleiste schließt die Lücke zwischen T-Shirt und Hemd. Es ist das einzige Oberteil, das man morgens am Strand und mittags in einem Museum tragen kann, ohne an beiden Orten falsch angezogen zu sein.
Zwei T-Shirts. Einfarbig, in Ihrer Farbfamilie. Nicht mehr als zwei T-Shirts sind das Teil, das man unterwegs am leichtesten waschen und über Nacht trocknen kann.
Ein Overshirt. Das Overshirt als Hemdjacke ersetzt die Jacke, die Sie sonst mitschleppen und nie tragen. Es funktioniert als Schicht am kühlen Abend, als Jacke im überklimatisierten Flugzeug und als Oberteil, wenn beide Hemden in der Wäsche sind.
Zwei Paar Schuhe. Mehr geht nicht ins Handgepäck, und mehr braucht man nicht. Ein Paar Ledersneaker für den Tag und die Wege, ein Paar Wildleder-Loafer für den Abend. Das schwerere Paar wird getragen, nicht gepackt — Schuhe sind das Dichteste, was in einen Koffer kommt.
Was der Koffer mit den Stoffen macht
Reines Leinen knittert. Das ist kein Mangel, sondern die Eigenschaft, für die man es kauft — die Falte ist der Preis dafür, dass die Faser hohl ist und Luft transportiert. Wer den Look nicht mag, greift zu Leinen-Baumwoll-Mischungen: 55 Prozent Leinen zu 45 Prozent Baumwolle behält den Griff und halbiert die Knitterneigung.
Rollen statt falten. Gerollte Kleidung hat keine harten Kanten, an denen sich eine Falte festsetzen kann. Schuhe kommen an den Rand des Koffers, gefüllt mit Socken. Und die zwei Minuten, die ein Hemd im Bad neben der heißen Dusche hängt, ersetzen ein Bügeleisen, das ohnehin selten im Hotelzimmer steht.
Was Sie am Flugtag tragen
Das Flugzeug ist der kälteste Ort der ganzen Reise, meist zwischen 22 und 24 Grad bei trockener Luft, und der Weg dorthin ist der wärmste. Tragen Sie deshalb die Chino, das Polo und das Overshirt — das schwerste Teil, das schwerste Paar Schuhe und die Schicht, die Sie im Flug brauchen, gehören an den Körper und nicht ins Gepäck.
Ein Detail, das viele übersehen: Wildleder ist am Flugtag die schlechtere Wahl. Es nimmt Feuchtigkeit auf und bekommt an den Sicherheitskontrollen jene Ränder, die sich nur mit einer Bürste wieder lösen lassen. Die Sneaker sind der Reiseschuh, die Loafer bleiben im Koffer.
Zwölf Kombinationen aus neun Teilen
Rechnen Sie es einmal durch. Zwei Hosen mal vier Oberteile ergeben acht Grundkombinationen. Das Overshirt verdoppelt vier davon, weil es sie abendtauglich macht. Der Wechsel von Sneakern auf Loafer verschiebt jede Kombination noch einmal um eine halbe Stufe nach oben. Sie kommen an deutlich mehr Tagen an, als Sie unterwegs sind — und tragen am Ende alles, was Sie eingepackt haben.
Das ist der eigentliche Punkt. Nicht weniger mitzunehmen, um zu leiden, sondern weniger mitzunehmen, weil der Rest ohnehin ungetragen zurückkommt.

